Marktrisiko bewerten

Schätzen Sie das Marktrisiko richtig ein?

Beim Trading treten immer wieder unvermeidbare und manchmal unvorhergesehenen Risiken auf. In diesem Artikel erläutern wir Ihnen, was es mit dem Marktrisiko auf sich hat, zeigen Ihnen die verschiedenen Arten, und wie Sie diese einschätzen und sich dagegen absichern können.

Worum geht es beim Marktrisiko?

Das Marktrisiko umfasst   die Verluste, die sich durch Preisbewegungen im Markt ergeben können.  Da betrifft alle Märkte – von Rohstoffen bis Kryptowährungen. Da eben nicht nur spezielle Vermögenswerte betroffen sind, kann das Marktrisiko nicht durch eine Portfolio-Diversifizierung vermieden werden.

Im Zusammenhang mit Trading können wir vor allem vier Arten von Marktrisiken unterscheiden: Zinssatzrisiko, Aktienkursrisiko, Wechselkursrisiko und Rohstoffpreisrisiko. Das Marktrisiko hängt von der Art des gehandelten Wertpapiers sowie von den geografischen Grenzen des Handels ab.

1. Zinssatzrisiko

Plötzlich steigende oder fallende Zinssätze erhöhen die Marktvolatilität. Abhängig von der Richtung der Zinssatzänderung erhöht oder verringert sich in einer Volkswirtschaft das Level der Ausgaben und Anlagen, was sich auf die Preise der Vermögenswerte auswirkt. Bei steigenden Zinssätzen sparen Verbraucher in der Regel mehr und geben weniger aus – bei fallenden Zinssätzen neigen Verbraucher eher dazu, etwas mehr auszugeben und weniger zu sparen. Das Zinssatzrisiko kann sich auf jeden Markt auswirken – auch auf Aktien, Rohstoffe und Anleihen.

Erhöht beispielsweise die US-Notenbank Federal Reserve ihren Zinssatz, möchte sich ein US-Unternehmen möglicherweise weniger Geld von den Banken leihen und verringert daher seine Ausgaben und Investitionen. Der höhere Zinssatz kann gleichzeitig aber mehr ausländisches Kapital in die USA bringen und so dafür sorgen, dass der US-Dollar im Wert steigt – was wiederum die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exporte des Unternehmens negativ beeinflusst. Beide Effekte können daher in diesem Beispiel negative Auswirkungen auf Wachstum, Gewinne und Aktienkurs des Unternehmens haben.

2. Aktienkursrisiko

Aktienkurse können sehr volatil sein, mehr noch als andere Anlageklassen. Der Preis eines Wertpapiers kann sich sehr schnell ändern, häufig nach unten. Dieser Vorgang wird als Aktienkursrisiko bezeichnet. Zwar gibt es viele Faktoren, die sich auf Aktienkurse auswirken, aber nur zwei Arten von Aktienkursrisiken: das systematische und das unsystematische Risiko. Das systematische Risiko bezieht sich auf die allgemeine Branche eines Unternehmens, während das unsystematische Risiko zu individuellen Unternehmen selbst gehört.

Sie kaufen beispielsweise 500 Aktien des Unternehmens ABC für 20 US-Dollar pro Aktie um sie zu einem höheren Kurs wieder zu verkaufen. Dann sorgt jedoch der unerwartete Rücktritt des Geschäftsführers dafür, dass der Aktienkurs auf 14 US-Dollar fällt. Wenn Sie die Aktien jetzt verkaufen, machen Sie einen Verlust von 3000 US-Dollar, in diesem Fall ist dies ein unsystematisches Aktienkursrisiko, das Sie tragen müssen.

3. Wechselkursrisiko

Das Wechselkursrisiko, auch Währungsrisiko oder Devisenrisiko genannt, hängt mit der Fluktuation der Währungspreise zusammen. Ändern sich die Währungspreise, wird der Devisenkauf entsprechend günstiger oder teurer. Als Trader haben Sie direkt mit dem Wechselkursrisiko zu tun, wenn Sie auf internationalen Forex-Märkten aktiv sind. Sie können auch indirekt betroffen sein, indem Sie Aktien eines Unternehmens halten, welches viel Handel mit dem Ausland betreibt, oder indem Sie Rohstoffe handeln, die in Fremdwährungen gehandelt werden. Außerdem weist ein Land mit höherer Verschuldung ein höheres Währungsrisiko auf.

Nehmen wir beispielsweise an, der brasilianische Real wird mit 5 BRL pro britischem Pfund (GBP) gehandelt. Schließt ein britischer Händler nun ein Geschäft mit einem brasilianischen Kaffeeproduzenten über den Kauf von 10.000 Paketen Röstkaffee zu 20 BRL pro Paket ab, ist das Geschäft also 200.000 BRL (40.000 GBP) wert. Bevor das britische Unternehmen die Waren erhält, schwächt sich das britische Pfund durch eine plötzliche politische Krise auf einen Handelswert von 4 BRL ab. Der Händler muss aber nach wie vor den vereinbarten Preis pro Paket (20 BRL) bezahlen, was ihn nun 50.000 GBP kostet.

4. Rohstoffpreisrisiko

Rohstoffe wie Erdöl, Gold und Mais können aufgrund politischer, gesetzgeberischer oder jahreszeitlicher Veränderung plötzlichen Preisschwankungen unterliegen. Dieses Risiko wird als Rohstoffpreisrisiko bezeichnet. Rohstoffpreisänderungen können Trader und Anleger, aber natürlich genauso Verbraucher und Produzenten betreffen.

Eine Dürreperiode kann etwa die Maisproduktion beeinträchtigen und zu einem Preisanstieg führen. Haben Sie nun eine Position auf Mais, sind Sie diesem Rohstoffpreisrisiko ausgesetzt. Das Rohstoffpreisrisiko geht jedoch noch über das Risiko von Preisänderungen an den Rohstoffen selbst hinaus, da diese den Grundstein für die meisten Waren bilden. Deshalb können Preisänderungen bei Rohstoffen auch weitreichende Konsequenzen für Unternehmen und Verbraucher haben. Preisänderungen setzen die gesamte Lieferkette unter Druck, was sich im Endeffekt auf die Wirtschaftsleistung auswirkt.

Wie wird das Marktrisiko bestimmt?

Es gibt zwei wichtige Methoden, um das Marktrisikos zu Messen: zum einen der „Wert im Risiko“ (Value at Risk, VaR) und zum anderen das sogenannte Beta:

  • Der Wert im Risiko ist eine statistische Methode, die misst, wie hoch der potenzielle Verlust ist (Ausmaß des Risikos) und mit welcher Wahrscheinlichkeit dieser Verlust eintritt (Eintrittsverhältnis).
  • Beta misst die Volatilität der Aktie im Vergleich zum Markt insgesamt basierend auf der bisherigen Performance. Anders gesagt gibt das Beta an, wie stark und in welche Richtung Aktien im Vergleich zum Markt schwanken.

Da machen Marktrisiken sich relativ einfach gestalten, andere hingegen sehr komplex sind, gibt es jedoch keine grundsätzlich allgemeingültige Methode zum Risikomessung.

Welche Absicherungsmöglichkeiten gibt es?

Um sinnvoll mit Ihren Trading-Risiken umgehen zu können, sollten Sie sich mit dem Thema Absicherung auseinandersetzen. Bei der Absicherung – auch Hedging genannt – geht es darum, zwei oder mehr Positionen gleichzeitig zu halten, um dadurch Verluste aus einer Position durch Gewinne aus einer anderen auszugleichen. Um die gesuchten langfristigen Erträge erreichen zu können, sind bestimmte Risiken notwendig. Dennoch haben Trader durch Absicherungen einen gewissen Risikoschutz, können aber gleichzeitig engagiert handeln.

Abhängig vom Markt, auf dem Sie handeln, bieten sich unterschiedliche Absicherungsstrategien an.

1. Optionshandel

Bei einer Option handelt es sich um ein Finanzinstrument, welches Ihnen zwar das Recht, nicht aber die Verpflichtung einräumt, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Mit Optionshandel können Sie Ihre Positionen über ein Delta-Hedging und eine Risikoumkehrung absichern.

2. Delta-Hedging

Beim Handel am Aktienmarkt haben Sie die Möglichkeit, über das sogenannte Delta-Hedging das Risiko negativer Preisbewegungen zu verringern. Als „Delta“ bezeichnet man die Spanne, um den sich ein Optionskurs ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts um einen Punkt bewegt.

Eine Optionsposition kann mit anderen Optionspositionen abgesichert werden, die einen entgegengesetzten Deltawert aufweisen. Hat eine Put-Option auf Aktien zum Beispiel einen Deltawert von -0,10, steigt der Preis der Option um 0,10 US-Dollar, wenn der Aktienkurs um 1 US-Dollar fällt. Dieser Vorgang kann mit einer Call-Option mit einem Deltawert von +0,10 abgesichert werden, der um 0,10 US-Dollar steigt, wenn der Aktienkurs um 1 US-Dollar steigt.

Alternativ können Sie ein Delta-Hedging bei Positionen mit Derivaten, z. B. CFDs, anwenden. Diese Derivate weisen einen Deltawert von eins auf, da sich Derivate parallel zum zugrunde liegenden Markt bewegen. Wenn Sie beispielsweise eine Long-Position bei einer Call-Option auf 100 Aktien mit einem Delta von 0,55 eröffnen, können Sie das Deltarisiko durch eine Short-Position auf 55 Aktien über einen CFD-Handel absichern.

3. Risikoumkehrung

Mit der Risikoumkehrung kann ein Trader seine Long oder Short Positionen durch Put- und Call-Optionen schützen. Haben Sie beispielsweise als Rohstoff-Trader eine Short-Position für 200 Einheiten Sojabohnen eröffnet, können Sie diese durch den Kauf einer Put- und Call-Option auf jeweils 200 Einheiten Sojabohnen absichern. Steigt der Sojabohnenpreis, wird die Call-Option wertvoller und gleicht alle Verluste der Short-Position aus. Wenn stattdessen der Preis fällt, profitieren Sie von der Short-Position, wenn auch nur bis zum Basispreis der Put-Option.

4. Futures-Kontrakte

Futures sind Kontrakte, die für den Handel auf einem Finanzmarkt einen definierten Preis an einem festgelegten Datum in der Zukunft festlegen. Mit Futures-Kontrakten können Sie Ihre Positionen auf Rohstoffe, Aktien, Anleihen usw. absichern. Da Sie mit Futures-Kontrakte einen Preis festlegen können, zu dem Sie in der Zukunft kaufen bzw. verkaufen möchten, können Sie dadurch die Unsicherheit über den zukünftigen Preis einer Sicherheit und können so das Preisbewegungsrisiko ausgleichen.

Fazit zum Marktrisiko

Zur besseren Übersicht sind hier nochmal einige wichtige Punkte zum Marktrisiko zusammengefasst:

  • Das Marktrisiko betrifft den gesamten Markt und kann nicht durch eine Diversifizierung des Portfolios vermieden werden.
  • Es werden vier Hauptarten von Marktrisiken unterschieden: das Zinssatzrisiko, das Aktienkursrisiko, das Wechselkursrisiko sowie das Rohstoffpreisrisiko.
  • Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Sie das Marktrisiko messen können, z. B. Wert im Risiko und Beta.
  • Über Optionshandel oder mit Futures-Kontrakten können sie sich gegen das Marktrisiko absichern.

Eine gute Möglichkeit, um sich mit den Risiken auf den Märkten vertraut zu machen, ist ein Demokonto bei IG. Dort haben Sie die Möglichkeit einen Account mit imaginärem Kapital (Spielgeld) anzulegen und die Funktionsfähigkeit Ihrer Handelsstrategie und Ihren Umgang mit den verschiedenen Marktrisiken zu testen.

In der IG Academy des Brokers IG Europe können Sie außerdem in kostenlosen und interaktiven Onlinekursen und Webinaren mehr zum Thema Marktrisiko lernen und Ihre Kenntnisse erweitern – beispielsweise über die IG Webinar-Reihe mit Jessica Schwarzer und Salah-Eddine Bouhmidi zum Thema „Risiko und Absicherung“.

Im Rahmen der World of Trading at Home hatte ich mit Salah-Eddine Bouhmidi bereits das Vergnügen und setze diesen Austausch gerne fort.

 

Viel Erfolg wünscht Bernecker1977 (Andreas Bernstein)

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